Radfahren

„Verdammter Mist!“, fluchte Edwin vor sich hin. „Da will man einmal im Jahr mit dem Rad fahren, und? Was ist? Keine Luft in den Reifen!“
Ihm kam die Idee zum Radfahren erst vorhin, als er bemerkte, dass er heute, am Feiertag, nichts vor hatte. Gar nichts. Also überhaupt nix.
Es gibt ja so Tage, an denen man sich nichts vornimmt, damit man zum Beispiel Sachen erledigt, zu denen man sonst nicht kommt.

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Nur, wenn ihm jetzt nicht einfällt, was er tun wollte oder könnte, dann ist es überwiegend langweilig. Im Kopf. Außerdem ist, entgegen dem angekündigten Wetter, herrlicher Sonnenschein. Das sollte er ausnutzen. Also: Mal wieder eine kleine Rad-Tour machen. Nicht so weit. Nur um den See herum.
Augenblicklich steht er im Keller, im Halbdunkel, weil die eine Glühbirne nicht funktioniert, und zerrt sein Rad aus dem Gerümpel. „Hier sollte auch mal Jemand aufräumen – wenn´s draußen regnet.“
Jetzt muss er auch noch eine Luftpumpe finden. Zwanzig Minuten später hat er eine Pumpe in der Hand, stellt aber fest, dass die Ventile in den Reifen Solche sind, die er auch am Auto hat.
Falsche Pumpe – Keine Luft. Edwin gibt nicht so schnell auf. Wieder in der Wohnung zieht er sich seine Fahrrad-Funktions-Klamotten an. Die heißen wohl deswegen ‚Funktions-Sport-Jacken‚, weil die auch dann passen, wenn man zehn Kilo mehr, als das letzte Mal drauf hat. Stretch. Funktioniert doch. Während er sein Rad zur Tankstelle schiebt, um es dort mit Luft vollzutanken, zieht er seine Schultern hoch und zieht den Kopf ein. Die Sonnenbrille soll zusätzlich verhindern, dass ihn Jemand sieht, wie er sein Vehikel schiebt. Das ist ihm peinlich. Warum auch immer.
An der ‚Tanke’angekommen, stellt er fest, dass sich einiges geändert hat, seit er das Vorige mal hier war. „Jetzt wollen die auch noch Geld für Luft!“, brabbelte er in sich hinein, und suchte seinen Geldbeutel. „Ich möchte wissen, was da für Steuern drauf sind. – Zehn Prozent Luft- oder Ozon-Steuern.“ Beim nächsten Mal wird er versuchen, die Luft preiswerter zu bekommen. Er muss nur behaupten, dass er zum Ausgleich, weniger atmet. Oder so.
Irgendwie hat er es dennoch geschafft, das er im Sattel sitzt ….. (mehr in meinem neuen Buch ab Mai 2016 erhätlich …)