Ein Mensch backt Kuchen

Ein Mensch backt Kuchen

Es gibt Tage, an denen sollte man erst gar nicht aufstehen. An diesen Tagen will einem gar nichts gelingen. Diese Tage kamen in Edwins Leben nicht sehr häufig vor, aber ab und an kommen sie einfach zu ihm. Auch heute hat irgend ein höheres Wesen, von dem man doch immer mal wieder hört, einen Solchen für Edwin in den Terminkalender eingetragen. Das er gleich nach dem Aufstehen erst mal barfuß den einen Pantoffel aus Versehen mit leichtem Schwung aus dem Kniegelenk unters Bett beförderte, war fast normal. Diesen Umstand kategorisierte er unter ›Frühsport Teil 1‹. Jedoch, dass er sich beim Tauchen unter das Bett, um den Schlappen wieder zu erlangen, gleich zwei mal den Kopf am Bettrahmen stieß, ließen in ihm einen kleinen Funken Mißmutigkeit aufglimmen. Bedachtsam, mit der linken Hand die rutschende Pyjamahose fixierend, und mit der rechten Hand den schmerzenden Schädel haltend, schlurfte er noch schlaftrunken, in Richtung Bad. Nicht, ohne mit dem linken Ellbogen den Türrahmen anzustoßen, um dann mit dem Ärmel der Pyjamajacke an der Türklinke hängen zu bleiben. Nach dem Schütteln des Armes, durch einen Schritt rückwärts, um aus der ›Verhaftung‹ der Klinke zu kommen, rutschte erneut seine Hose – bis unter die Knie. Er stolperte durch die Tür und riss mit seinen elanvoll wedelnden Armen den Zahnputzbecher vom Regal unter dem Spiegel. ›Gott sei Dank – nur Plastik!‹, murmelte ebananas-282340_1280r.

So richtig hell war es heute nicht. Im Bad. Die beiden runden Glühbirnen über dem Spiegel konnte er demnächst in seiner Dunkelkammer zum Filme entwickeln verwenden. Wobei bei diesem Hobby von ihm, noch nie etwas aufgewickelt und dann wieder entwickelt wurde. Er dachte über ein Synonym für das Wort ›wickeln‹ nach. Ihm kamen auf Anhieb ungefähr zwanzig alternative Wörter in den Sinn. Doch dies sind jetzt sinnlose Gedanken, denn im Spiegel sah er nicht genug, um sich ordentlich und zivilisationsgerecht zu stylen. Die Erinnerung an ähnliche Frühstunden ermahnte ihn, sich vorsichtshalber das Päckchen mit den Heftpflastern zu holen, da er sich vermutlich gleich beim Rasieren, anritzen würde. Nach seiner Morgentoilette kann er sich selbst zwei wichtige Mitteilungen geben. Wie die Menschen es bei dieser Ankündigung gewohnt sind, ist bei der Zahl zwei, eine gute und eine schlechte Nachricht bekannt zu geben. Die Gute: Er hat sich nicht beim Rasieren geschnitten. Die Schlechte: Japan-Öl ist kein guter Ersatz für Aftershave. Man lernt nie aus. Als Edwin im Auto saß, um zur Arbeit zu fahren, fasste er noch mal kurz für sich die letzte halbe Stunde zusammen: dreimal das Oberhemd gewechselt, wegen fehlenden Knöpfen. Zweimal die Krawatte gewechselt, wegen Ketchup-Flecken von letzter Woche. Zweimal Schnürsenkel vom Schuh abgerissen, dann andere Schuhe angezogen. Sein drei-Minuten-Ei in zwölf Minuten gar gekocht, statt seinem Toastbrot hatte er einen Zwieback eingeworfen, Seinen Kaffee mit Milch und Zucker hat er weggekippt, wegen der fehlenden Süße, aber dem durchdringenden Salzgeschmack. Seine Tageszeitung, die ein netter Nachbar ihm vor seine Wohnungstür gelegt hatte, warf er im hohen Bogen …

Weiterlesen ist möglich: In meinem neuen Buch, ab November 2016 erhältlich.